10. Februar 2019

Tencent Aktie - Chart Kennzahlen Geschichte

Mit dem Kauf einer Aktie von Tencent beteiligt man sich am größten Internetunternehmen in China. Der Konzern gehört zu den wertvollsten Unternehmen weltweit.


Tencent - Aktienchart

Tencent - Kennzahlen
(aus dem Geschäftsbericht)

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Tencent - Geschichte

1998 November: Gründung von Tencent durch den Vorstandsvorsitzenden Ma Huateng (auch Pony Ma genannt) und Tony Zhang 

(derzeitiger Chief Technology Officer) in Shenzhen (China) mit finanzieller Hilfe US-amerikanischer Risikokapitalgeber.

1999 Februar: Start des ersten Produkts: OICQ-Instant Messenger (später wegen der Namensähnlichkeit mit ICQ umbenannt in Tencent QQ): 

Der große Erfolg von OICQ führte binnen weniger Jahre zur erstmaligen Erzielung eines Gewinns durch ein Internetunternehmen in China.

2001 46,5%ige Beteiligung an Tencent durch Naspers (südafrikanischer Medienkonzern,

gehalten über die Internet-Tochtergruppe Myriad International Holdings bzw. MIH). 2003 September: Start von QQ Games (Mehrspieler-Onlinespieleportal; China).

2003 Dezember: Start von QQ.com (Internetportal, China). 

2004 16. Juni: Börsennotierung in Hong Kong.

2005 Mai: Start von Qzone (soziales Netzwerk mit Blogs, Online-Tagebuch, Fotoversand, Musik u.a.; China).

2006 Gründung des Tencent Charity Fund (erste Wohltätigkeitsstiftung eines Internetunternehmens in China). 2006 März: Start von PaiPai (Plattform zum Ein- und Verkauf; E-Commerce; Consumer-to-Consumer; China) und Tenpay (Online-Bezahlverfahren; China).

2006 Juli: QQ.com ist größtes und meistbesuchtes Internetportal in China. 

2007 Gründung des Tencent Research Institute für 100 Mio. RMB (erstes chinesisches Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Internet-Technologien mit Standorten in Peking, Shanghai und Shenzhen). 2008 März: Qzone hat 100 Mio. Nutzer. 2008 Juni: Kooperation mit MIH, die das indische soziale Netzwerk ibibo betreibt. 2008 22,34%ige Beteiligung an Riot Games (Spiele; USA).

2008 Veröffentlichung von QQ Player (für Medien wie Musik u.a.; China).

2009 2. Quartal: Spitzenwert von 6,4 Mio. gleichzeitig aktiven Nutzern bei QQ Games. 2009 September: Start von SoSo (eigenentwickelte Suchmaschine; zeitweilige Kooperation mit Goggle bei Adwords). 2009 Besitz von über 400 Patenten. 2010 März: Tencent-QQ (Instant Messenger) hat 100 Mio. Nutzer. 2010 April: Beteiligung (300 Mio. US-Dollar) und strategische Partnerschaft - gemeinsam mit Naspers – an Digital Sky Technologies (heute Mail.ru Group; Russland; Internet). 2010 Beteiligung von Naspers an Tencent ist von 46,5 auf 35 Prozent gesunken (größter Einzelaktionär). 2010 QQ.com als exklusiver Internet-Service-Provider bei der Expo-Weltausstellung.

2010 Juni: Langfristige Entwicklungspartnerschaft mit Cisco Systems (US-Netzwerktechnologie). 

2010 49,92%iger Anteil an Sanook (Thailand, Internetportal, erworben von MIH). 2011 Januar: Verhandlung mit Groupon (Rabattgutscheine; USA) über Kooperation. 2011 Februar: Anteilsaufstockung an Riot Games von 22,34 auf 92,78 Prozent (komplette Übernahme im Januar 2016). 2012 Juni: 48,4%iger Anteil an Epic Games (Spiele; USA) für 330 Mio. US-Dollar. 2013 Juli: 12%iger Anteil an Activision Blizzard (Spiele; USA; nach Abtrennung von Vivendi). 2016 Juni: 84,3%iger Anteil an Supercell (Entwicklerstudio mit Fantasy-Ritterspiel „Clash of Clans“; Finnland) für 8,6 Mrd. US-Dollar. 2016 Mitbegründung von Future Mobility (Entwicklung und Produktion von Elektroautos).

2017 5%iger Anteil an Tesla (Hersteller von Elektroautos; USA). 

2017 Spin-off von China Literature (Online-Literatur): Tencent behält Mehrheitsbeteiligung.

2017 Tencents Herzstück sind soziale Netzwerke, über die sich Onlinespiele („rasend schnelle Verbreitung auf dem Smartphone“) und Videostreaming-Dienste vermarkten lassen. Im Zentrum steht Wechat 

(mobiles, soziales Netzwerk; so was wie Whatsapp und Facebook plus zahlreiche Zusatzfunktionen für E-Commerce, Taxirufdienste, mobiles Bezahlen und vieles andere mehr) mit 800 Mio. Nutzern. Hinzu kommt die kaum minder populäre soziale Plattform Qzone (vor allem über Computer und Laptops) mit rund 670 Mio. regelmässigen Anwendern (Vermarktung der gebührenpflichtigen Onlinespiele über extrem vielfältige Kanäle.

Mit einer Marktkapitalisierung (Börsen-Unternehmenswert) von 522 Mrd. US-Dollar eines der größten und profitabelsten Internetunternehmen der Welt (in Konkurrenz zu Facebook u.a.) 

Mehr als die Hälfte der Angestellten sind Forschungs- und Entwicklungspersonal. Tencent QQ ist das mit großem Abstand meistverbreitete Instant-Messaging-Netzwerk Asiens. Verbesserte Monetarisierung der Plattformen Wechat und QQ führen zur Steigerung der Anzeigenerlöse (Werbung) - trotz einiger Schleifspuren, die das abkühlende Wirtschaftswachstum in China mit sich bringt. Als jüngstes und wachstumsträchtigstes Betätigungsfeld erweist sich für Tencent das Geschäftsfeld Mobile Payments (Nutzung des Smartphones für alle erdenklichen Gelegenheitskäufe und Dienste). Das funktionell ebenfalls an Wechat angedockte Online-Zahlungssystem Tenpay hat sich als Nummer 2 hinter Alibabas Alipay etabliert und verheisst als Fintech-Adresse eine strahlende Zukunft.


WeChat ist in China die neue Startseite des Internets. 

Die Allzweck-App ist nahezu immer beteiligt: Mit Freunden chatten, einen Arzttermin vereinbaren, Kinokarten bestellen und direkt bezahlen, gleichzeitig auf Kundenfragen antworten und nebenbei den Einkauf im Supermarkt erledigen – das alles läuft inzwischen über WeChat.
 Seit 2011 vollführt WeChat im Reich der Mitte einen Siegeszug par excellence: 

Rund 963 Millionen Menschen nutzen jeden Monat die chinesische Messenger App. 

Andere, in Deutschland und der westlichen Welt beliebte Dienste – wie PayPal, WhatsApp oder Facebook – werden überflüssig, da WeChat all diese Services vereint. Die App diminiert das private Leben wie auch den Berufsalltag. WeChat ist im Business absolute Voraussetzung für die Kundenkommunikation und den Austausch mit Projekt- und Geschäftspartnern. Das Kommunikationstempo steigt dadurch immens. Wer die geforderte Geschwindigkeit nicht mitgeht, ist draußen. Feedback auf geschäftliche Anfragen wird innerhalb weniger Minuten erwartet.

In China ist es ganz normal, im Gespräch zu fragen, ob man das WeChat-Profil seines Gegenübers scannen darf, 

die App generiert für jeden Nutzer einen individuellen QR-Code, den andere User scannen und sich so verknüpfen können. Diese Funktion ist mittlerweile dermaßen wichtig geworden, dass Visitenkarten mitunter nur noch den WeChat-QR-Code aufführen. Schon heute ist bei WeChat Alltag, was für die meisten Europäer noch völlig undenkbar scheint:

Chinesen vermischen private sowie geschäftliche Kommunikation und erledigen ihre Finanzangelegenheiten über die App. 

Während die meisten Deutschen sich schwer tun, ihren privaten Kosmos für Unternehmen mit deren Marken und Services zu öffnen, sind diese in China ganz selbstverständlich Teil der WeChat-Welt. Die App spielt für alle Unternehmen, die in China aktiv sind oder es werden wollen, eine essenzielle Rolle.

Besonders beliebt sind Unternehmensseiten oder Markenauftritte, sprich die "Official Accounts". 

Eine Marke, die den WeChat Nutzern einen echten Mehrwert bietet, bindet die User an sich. So stellt beispielsweise Nike Sporttipps, Laufrouten, Trainingspläne oder Fitness-Kampagnen all jenen zur Verfügung, die dem Sportartikelhersteller auf der Plattform folgen. Darüber hinaus lohnt sich für Unternehmen neben dem Buchen von Anzeigen auch die Kooperation mit Influencern, die sich zahlreich auf WeChat tummeln. Die in China so erfolgreiche App hat die eigenen Landesgrenzen bereits überwunden.

100 Millionen User nutzen WeChat außerhalb Chinas. 

Trotzdem lässt der durchschlagende internationale Erfolg noch auf sich warten. Der Hauptgrund: Usern ohne chinesische Bankkarte bleibt die Bezahlfunktion WeChat Pay, welche für viele Nutzer einen wichtigen Nutzungsanreiz darstellt, verwehrt.

Darüber hinaus ist ein großer Teil der Inhalte komplett auf Chinesisch. Außerdem ist es wie überall: Man ist da, wo seine Freunde sind. Und in Deutschland sowie anderen Teilen Europas sind sie eben eher bei WhatsAppInstagramFacebook und Snapchat als bei WeChat.

Zudem ist WeChat – wie viele chinesische Medienprodukte – teilweise zensiert. 

Aus Sicht von westlichen Nutzern kommen daher Nutzungsvorbehalte ins Spiel. Welche Informationen die App über ihre User sammelt und wie viel davon der Internetgigant und WeChat-Betreiber Tencent mit der Regierung teilt, ist in den Nutzungsbedingungen für User außerhalb Chinas nachzulesen.

Der von Chinesen und Europäern unterschiedliche Umgang mit Kommunikation, Daten und Privatsphäre rührt vor allem daher, dass westliche Messenger- und Netzwerkdienste – wie Facebook, WhatsApp und iMessage – in China größtenteils nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

Durch das späte, flächendeckende Angebot des Internets übersprang das Land die Ära der Desktops. 

Denn mit dem Zugang zum Internet standen gleichzeitig leistungsfähige Smartphones zur Verfügung, weshalb China direkt zum mobilen Internet überging. Aber auch die Ausgestaltung der persönlichen Netzwerke unterscheidet sich klar von dem, wie wir in Deutschland miteinander kommunizieren:

WeChat-Geflechte sind viel kleiner und privater als Freundes-Netzwerke auf Twitter- oder Facebook. 

Anders als bei Instagram und Co. kann man bei WeChat anderen Personen nicht folgen. Vielmehr bewegt man sich im eigenen Umfeld. Die Personensuche ist stark eingeschränkt, wodurch sich die App privater anfühlt. Diese Vertraulichkeit wird von den Nutzern als klarer Vorteil empfunden und minimiert die Hemmnisse, die App auch zum Bezahlen, zur Terminvereinbarung und zur Geschäftskommunikation zu nutzen.

WeChat als Vorbild für die Zukunft?

Die unterschiedliche Messenger-Nutzung in Deutschland und China basiert auf verschiedenen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre. Dennoch ist es zu früh zu behaupten, dass WeChat primär ein chinesisches oder asiatisches Phänomen darstellt. Denn steigende User-Zahlen außerhalb Chinas zeugen vom internationalen Potenzial des Messengers.
Sobald der Dienst seine Komfortfunktionen weltweit zur Verfügung stellt, vor allem in puncto mobile Bezahlmöglichkeiten und Services, könnte erneut Schwung in die Gewohnheiten der westlichen User kommen. Dies setzt jedoch die Bereitschaft der Nutzer voraus, sich auf die für sie neuartige Full-Service-App einzulassen.
Denn User aus westlichen Ländern sind an den Gebrauch verschiedener Apps seit vielen Jahren gewöhnt. Sie von dieser Gewohnheit abzubringen, wird einiges an Überzeugungsarbeit benötigen. Und sicher werden dann auch etablierte Player wie Facebook, Apple und Co. die Bühne betreten, um eine eigene All-in-one-Lösung zum Erfolg zu führen.
Ob und wann der Durchbruch der chinesischen App in Deutschland kommt, bleibt abzuwarten.

Auf jeden Fall zeigt das Phänomen WeChat, in welche Richtung sich mobile Kommunikation grundsätzlich auch hierzulande entwickeln könnte. 

Die App dient dabei als Blaupause für unsere mobile Zukunft. 2017 Dezember: Strategische Allianz zwischen NIO (Elektroautos; unterstützt von Tencent, Xiaomi und Baidu) und der GAC Group, die Toyota- und Honda-Fahrzeuge herstellen.

Chinesische Staatsregierung unterstützt die verschiedenen komplementären Technologien bei der Entwicklung von Elektroautos sowie internet-verbundenen und selbstfahrenden Autos,

 um weltweite Konkurrenzfähigkeit zu erreichen, z. B. zur verbesserten Kosteneffizienz bei der Herstellung von elektrischen Batterien. 2017 29. Dezember: Zusammenschluss von Online-Reise-Beteiligungen mit Ctrip (größter Online-Reiseanbieter Chinas).

2018 Januar: WeChat-Profil als Ersatz für den Personalausweis: 

Gemeinsame Entwicklung von WeChat-Team und dem chinesischen Ministerium für öffentliche Sicherheit.

2020 WeChat spielt zentrale Rolle beim für 2020 geplanten „Social Credit System“

bei dem so gut wie alle Belange des gesellschaftlichen Lebens erfasst, systematisch ausgewertet und einen Punktestand ergeben, der unter anderem Auswirkungen auf die Karriere, die Vergabe von Krediten und die Konditionen der Krankenversicherung haben kann.

2020 Alibaba und Tencent sind der US-Konkurrenz im Mobile-Payment-Markt weit voraus: 

Während viele Amerikaner noch die Kreditkarte nutzen, hat insbesondere die jüngere Hälfte der Chinesen diese Technologie übersprungen und ist vom Bargeld direkt auf Smartphones umgestiegen. Die Folgen: Der chinesische Markt ist der größte der Welt: Der Wert aller Mobile-Transaktionen 2016 betrug 8,82 Billionen Dollar (2011: 15 Milliarden US-Dollar). Der Markt soll bis 2020 auf 47 Billionen US-Dollar anwachsen. Alleine für 2017 wird mit einem Wachstum von 70 Prozent gerechnet: 92 Prozent der Marktanteile halten Alibaba (Alipay: 55 Prozent) und Tencent (WeChat Payment: 37 Prozent).

Im Vergleich zu China ist der US-Markt verschwindend gering: 

Von 8,3 Milliarden US-Dollar (2011), auf 112 Milliarden US-Dollar (2016) werden 283 Milliarden US-Dollar in 2020 erwartet. Während amerikanische Firmen noch versuchen ihren Heimatmarkt zu erschließen, hat die Konkurrenz aus dem Reich der Mitte bereits die nächsten Märkte im Blick – Indien und Südostasien. Die Strategie:

Alibaba und Tencent schaffen sich durch die Verknüpfung ihres riesigen Beteiligungsnetzes ein umfangreiches Ökosystem über die gesamte Wertschöpfungskette einer Online-Dienstleistung hinweg. 

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