10. Februar 2019

Gerry Weber Aktie - alle wesentlichen Fakten

Der Modehersteller wird 2019 unter Zwangsverwaltung gestellt. Konkurs von Gerry Weber, Hallhuber wird zunächst fortgeführt. Die Aktie stürzt ab.

Gerry Weber - Aktienchart

Gerry Weber - vorläufiges Ergebnis
(Pressemitteilung)

Gerry Weber - Geschichte

1965 Gerhard Weber macht sein erstes Modegeschäft auf. In der Garage seiner Eltern standen die Kleiderständer. Zunächst arbeitete Weber auch noch als Angestellter in einer Modefirma. Dort entdeckte er seine Leidenschaft für Design, Farben und Stoffe. Er expandierte mit seinen Modegeschäften. 1973 1. März: Gründung der Hatex KG durch Gerhard Weber und Udo Hardieck in Halle (Westfalen): Geburtsstunde von Gerry Weber.
Zunächst produzierte und vertrieb das Unternehmen Damenhosen, rasch wurde das Sortiment im Bereich Damenmode ausgebaut. In den Folgejahren wurden Teile der Produktion an Auftragnehmer ins Ausland vergeben (sogenannte Zwischenmeister). 1986 Weltweiter Schutz des Markennamens „Gerry Weber“ (nach dem Firmengründer Gerhard Weber): „Gerry Weber“ ist Gerhard Weber.
Sein Geschäftssinn wird von Mitarbeitern und Wegbegleitern bewundert. Sein Umfeld kritisiert nur seine manchmal aufbrausende Art. „Er weiß halt alles besser“, lautet das Fazit, dass nicht nur negativ gemeint ist. 

Er habe ja immer alles falsch gemacht, sagte Gerhard Weber einmal und spielte auf Entscheidungen an, die zuerst auf Kritik stießen, sich dann aber als goldrichtig erwiesen. Das habe sich wie ein roter Faden durch sein Leben gezogen. Angefangen bei seinen Eltern, die nicht verstanden, dass er ein Modegeschäft eröffnen wollte, über die Entscheidung, ein Tennisstadion in Halle/Westfalen zu errichten. Für Überraschungen hatte Gerhard Weber immer ein großes Gespür.

1986 Dass er die spätere Tennis-Legende Steffi Graf bereits vor ihren ersten großen Siegen als 17-Jährige als Werbebotschafterin unter Vertrag nahm, gilt als Marketingcoup. 

1987-1988 Rasche Bekanntheit durch die Gewinnung von Steffi Graf als Markenbotschafterin.

1989 Börsengang und Umbenennung in Gerry Weber International AG. 

1989 Einführung der Taifun-Collection als weitere Modelinie. 1990er Jahre Zunehmende Verlagerung der Produktion ins Ausland. 1992/93 Bau des Gerry-Weber-Stadions (führte zu weltweiter Bekanntheit durch die Austragung des ATP-Rasen-Tennisturniers „Gerry Weber Open“; Jedes Jahr treten dort die besten Tennisspieler der Welt zum nach Wimbledon bedeutendsten Rasenturnier Europas an - es wird in 150 Länder übertragen). 1994 Debüt der Samoon-Collection (für Damen mit Anschlussgrößen). 1996-1998 Trikot-Sponsor beim benachbarten Fußballbundesligisten Arminia Bielefeld. Ab 2000 Vergabe von Lizenzen unter dem Label Gerry Weber (Schuhe, Brillen, Düfte, Taschen, Schmuck). 2006 Schaffung einer Herren-Kollektion unter dem Markennamen Gerry Weber Men (zunächst als Lizenz vergeben, ab 2008 eigengefertigt und 2009 vom Markt genommen).
2011 Januar: Einführung des RFID-Chips: Das Unternehmen stattet alle in die Läden gelieferten Artikel mit einem RFID-Chip aus. Auf dem RFID-Chip ist der Elektronische Produktcode (EPC) als Zusammenfassung des vom Barcode bekannten EAN-Code, sowie einer Seriennummer der Bekleidungsstückes, gespeichert. Für den Einsatz der RFID-Technik erhielt das Unternehmen den ECR-Award 2010 sowie den Retail Technology Award und gewann bei der RFID Journal LIVE! 2011 Konferenz einen Preis für die „beste RFID-Implemetierung“.

2013 Eine der wachstumsstärksten Betriebe in Deutschland: 4500 Mitarbeitern erwirtschaften 800 Millionen Euro Umsatzerlöse bei einer Steigerung des Gewinns um fast 20 Prozent.

Vor allem die Expansion des eigenen Retail-Geschäfts und der Ausbau des internationalen Vertriebs trugen dazu bei. Allein innerhalb eines Jahres verdoppelte die Weber-Gruppe die Anzahl der in Eigenregie geführten Läden weltweit auf 490. Mittelfristig will Gerhard Weber die Umsatzmilliarde knacken. 2014 Zählt zu den Top 100 der weltweit größten Fashion-Firmen (wie auch Hermès, Prada und Tiffany). 2014 Rückzug von Gerhard Weber aus dem operativen Geschäft: Hat aus dem Nichts ein Unternehmen auf die Beine gestellt, das heute bei der Damenoberbekleidung zu den ganz großen der Branche zählt (als Aufsichtsrat ist er aber noch nah dran an den Entscheidungen).

2015 Januar: Ralf Weber, Sohn des Unternehmensgründers, wird Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

2015 Februar: Übernahme von Hallhuber (Mode). 2015 Gerry Weber Open (Tennisturnier) steigt in die zweithöchste ATP-Kategorie auf. 2016 März: Verkündung von harten Einschnitten durch Ralf Weber (bei der Neuausrichtung streicht das Management jede zehnte von 7000 Stellen; auch 103 von 1000 Filialen fallen weg, davon etwa 65 Prozent im Ausland).

Die Modeindustrie kämpft im Internet um neue Kundschaft und liefert sich harte Preiskämpfe. 

2016 März: Ungewohnt offen für Manager hat Ralf Weber von eigenen Fehlern gesprochen. Intern aber gibt Vater Gerhard sich selber eine große Mitschuld. Viel früher hätte auch er gegensteuern müssen, wie ihn Wegbegleiter zitieren. „Es gilt jetzt für die neue Generation, das Beste aus dem Umbruch der Branche zu machen. Sicherlich ist das Thema Mode heute viel komplexer und deshalb schwieriger zu managen als noch vor 50 Jahren“.

2016 Sommer: Start von Talkabaout (Damenmode; Verkauf nicht in den konzerneigenen Geschäften, sondern über ausgewählte Partner). 

2016 Dezember: Veräußerung einer großen Immobilie in Düsseldorf. 2017 Die Marke Gerry Weber wird weltweit bei mehr als 6.000 Fachhändlern angeboten. Darüber hinaus sind die in Eigenregie (778 Geschäfte) und von Franchise Partnern (3.868 Geschäfte) betriebenen Geschäfte - in Form von „Houses of Gerry Weber“, Mono-Label Stores (nur Eigenregie) und „Shop-in-Shop“-Konzepte (nur Franchise) - maßgebliche Vertriebskanäle. Produziert wird die Kleidung in Ost- und Südeuropa, der Türkei und Asien.

Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt mit einem Anteil am Konzernumsatz von 62,8%. 

Ein Anteil von 37,2% entfällt auf die ausländischen Märkte, dabei wurden 27,1% innerhalb der Europäischen Union (ohne Deutschland) und 10,1% außerhalb der EU generiert. Die Logistik erfolgt größtenteils über ein Ende 2015 fertiggestelltes, vollautomatisiertes Logistikzentrum. Die Umschlagkapazität gibt das Unternehmen mit bis zu 30 Millionen Artikeln im Jahr an, mit einer Erweiterungsmöglichkeit auf bis zu 37 Millionen. 2018 Die schlechte Unternehmensentwicklung spitzt sich zu. Konkurrenten in Deutschland sind u.a. Hugo Boss und Tom Tailor.